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Wenn ich ehrlich bin, schummele ich gerade etwas. Momentan sind es 0:22 Uhr am 5. März 2017. Dass das Datum dieses Eintrags auf Januar 2017 zurückdatiert ist, lässt sich wahrscheinlich nur idiosynkratisch erklären (ich möchte die ursprünglich angedachte Reihenfolge wenigstens hier intakt lassen). Wie dem auch sei: da das Jahr noch jung ist, werde ich es mir nicht nehmen lassen, auch einen kleinen Text zu dem Januarwort („Hoffnungsschimmer“) und dem Februarwort („nächtelang“) zu schreiben (auch der Februar-Beitrag wird dementsprechend zurückdatiert).


Die Dose mit den gebackenen Bohnen öffnend, strömt mir neben dem leicht künstlich riechenden Tomatenaroma auch der faule Atem der großen Übel entgegen und den Inhalt der Konserve in einen Topf kippend, entlasse ich damit Gedanken an die eigene Endlichkeit in diese Welt. Gasförmig und klauenbewehrt wollen die Gedanken mich zu Boden reissen, mich zu einem sabbernden Häufchen Elend reduzieren, dass regungslos im Bett liegt und – unfähig aufzustehen – nur daran denken kann und nur daran denken darf, wie angenehm der Freitod wäre. Doch ich habe mein Asthmaspray der Unbesiegbarkeit genommen und atme die Gedanken einfach ein, um sie in meinen halbgöttlichen Lungen zu Staub zu zermahlen. Ich fliege der Sonne entgegen, aber meine Flügel sind nicht aus Holz und Wachs, sondern schwarz glänzender Stahl. Heute werde ich mich nicht verbrennen.
Am Boden der Dose, leicht eingerostet in das Metall, schimmert im Bohnensaft eine missgebildete Gestalt, die schwer atmet und Laute ausstößt, für die ich keine Worte finden will.
„Du bist wohl die Hoffnung.“, sage ich leicht herablassend zu dem appendixartigen, schimmernden Schleimklumpen. Das Ding stößt einen kreischenden Gurgellaut  aus, den ich nicht anders als affirmativ deute.
„Ausgewachsen scheinst du noch nicht zu sein. Wie hättest du denn gegen meine Gedanken bestehen wollen?“
Zwei  Bläschen auf der Oberfläche des Wesens platzen auf und offenbaren den Blick auf zwei schwarze kernartige Splitter, mit denen die Hoffnung mich anschaut, während ihr gallertartiger Körper arhythmisch zu pulsieren scheint.
„Du weißt, dass ich dich nicht heraus lassen kann.“, spreche ich in die Konserve hinein. „Du würdest mir nur die Sicht vernebeln.“
Schweigen.
„Es gibt einen Grund, warum du auf dem Grund der Büchse bist. Das weißt du, oder? Von allen Folterknechten, die ich kenne, bist du der Schlimmste. Nein, nein. Du bleibst schön, wo du bist.“
Das Blubbern der Bohnen im Topf auf dem Herd lässt mich aus meinem Monolog aufschrecken. Wortlos werfe ich die kreischende Konserve in den Plastikmüll und suche in einer der Schubladen nach einem Holzlöffel.